AusLand

Jönköp…was? – Unaussprechlicher Städtename, großartiges Auslandssemester in Schweden

Wenn sich ein neues Land wie zu Hause anfühlt…
Wenn Fremde zu besten Freunden werden…
Wenn einzelne Momente Erinnerungen für’s Leben bleiben…
…dann ist das ERASMUS!

So hat es sich zumindest für mich angefühlt, als ich vor drei Monaten mit Sack und Pack nach Schweden gereist bin – in eine Stadt, deren Namen ich bis dahin nicht einmal aussprechen konnte. JÖNKÖPING. Auf Schwedisch „Jönschöpping“, ist eine kleine Stadt in Südschweden, vergleichbar mit Innsbruck. Dort angekommen, habe ich mich schnell wohl gefühlt. Das viele Grün, der Wald und der große Vätternsee haben mich ans Ländle erinnert – nur eben 10 Grad kälter.

Studieren in Schweden

Auch die Universität hat sofort einen positiven Eindruck hinterlassen. Die „Introduction Week“ an der Jönköping University wurde als eine der besten in Europa ausgezeichnet  und jetzt weiß ich auch warum. Diese erste Kennenlernwoche war vollgepackt mit Programm, neuen Leuten, witzigen Spielen, Musik, guter Laune und Party jeden Tag. Klingt anstrengend, ist es auch. Aber das ist es wert! In dieser Woche habe ich so viele Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, die mich die vergangenen Monate begleitet haben und sowas wie meine Familie geworden sind. Ich habe so viele Fotos geschossen, dass mein Handyspeicher fast aus allen Nähten platzt und ich hatte so viel Spaß, dass ich dazwischen fast auf das Essen vergessen hätte.

Mein Highlight war das Kick Off Festival am Ende der ersten Woche. Hunderte Studierende sind bei der „Jönköping Pride“, einer Homosexuellen-Parade, mit bunten Fahnen, Regenbogen-Farben und Glitzer im Gesicht durch die Stadt gezogen. Am Abend hat die schwedische Band „Icona Pop“ extra für uns Studierende auf dem Campus gespielt und spätestens bei ihrem Hit „I love it“ ist auch unter den internationalen Studierenden keiner mehr stumm geblieben.

Studierende in Schweden sind während dieser Zeit leicht zu erkennen: Sie tragen alle bunte Hosen. Was bei uns in Vorarlberg als Blaumann bekannt ist und nur von Männern auf dem Bau oder im Stall getragen wird, ist bei den Studierenden hier absolut angesagt. Jeder kann sich in der ersten Woche einen solchen Overall kaufen, der dann mit bunten Stickern geschmückt wird. Wer keinen hat, gehört nicht dazu. Nach der ersten Woche wird dieser Blaumann (von dem nur das Unterteil getragen wird, der Rest hängt lose runter) jeden Mittwoch beim Ausgehen in den Studentenclub angezogen.

Das Studium selbst hat sich für mich im ersten Moment angefühlt wie Urlaub. Ich hatte deutlich weniger Kurse als an meiner Uni in Wien und das Arbeitsklima war sehr entspannt. Die ProfessorInnen sind allerdings sehr kompetent, es gibt mehr als genug Zeit bei Prüfungen, viele Gruppenarbeiten und zahlreiche Möglichkeiten zu reisen.

Das Leben in Schweden

Einer der wenigen Nachteile in Schweden sind die Kosten. Schweden ist spürbar teurer als Österreich. Gerade die Preise für Lebensmittel, Restaurantbesuche und Alkohol sind deutlich höher als bei uns. So findet man selten ein Sandwich unter fünf Euro und selbst für ein kleines Bier zahlt man hier locker mal sechs Euro.

Gastfamilie

Die Unterkünfte sind nicht ganz so teuer, dafür umso schwerer zu kriegen. Ich hatte das Glück bei einer schwedischen Gastfamilie wohnen zu können. Das habe ich allerdings nur einem Bekannten zu verdanken, denn eigentlich hätte ich von meiner Universität keine Unterkunft bekommen. Die Wohnsituation in Jönköping ist sehr ernüchternd und manche Studierenden müssen täglich zwei Stunden zur Uni und wieder zurück fahren, weil sie keine Wohnung in der Nähe gefunden haben. Ich war also in der glücklichen Situation, dass mein Bekannter ein Ehepaar in der Stadt kennt und den Kontakt hergestellt hat. Da ihre Kinder alle ausgezogen sind, hatten sie Platz und haben mich herzlich aufgenommen. Das ist das Beste, was mir passieren konnte! Selbst wenn meine Freunde alle in derselben Studentenunterkunft leben, bekomme ich durch meine Gastfamilie die schwedische Kultur und das normale Alltagsleben in diesem Land mit. Und da meine Hostfamilie unglaublich herzlich ist, fühle ich mich so wohl, dass ich gar nicht daran denken will, dass das Abenteuer Auslandssemester in wenigen Wochen schon zu Ende ist.

Fazit

Wie ihr aus meinem Text vielleicht rausgehört habt, kann ich ein Auslandssemester also nur empfehlen. Es erweitert den eigenen Horizont, man bekommt eine etwas andere Sichtweise auf Dinge und lernt auch andere Kulturen zu verstehen. Ich für mich habe gemerkt, dass ich noch offener auf Menschen zugehe und mir jetzt auch vorstellen kann, im Ausland zu arbeiten.