AusLand

Und plötzlich steht alles auf dem Kopf

Von einem spontanen Abenteuer ans Ende der Welt und den vielfältigen Möglichkeiten, die Plattformen wie „Workaway“ eröffnen.

Auf und davon – dieses Gefühl übermannte mich Anfang dieses Jahres wieder einmal auf ein Neues. Diesmal schob ich es allerdings nicht wie schon so oft beiseite, sondern beschloss spontan, meinen Rucksack für zwei Monate zu packen. Wohin es gehen sollte? Das war zunächst unklar. Da war der ewige Traum von Kanada, Südamerika wäre ja auch schön oder doch eher Neuseeland? Und wie schaut es überhaupt mit dem nötigen „Kleingeld“ aus? Schnell war klar, dass ich möglichst Geld schonend ins Ausland möchte und so entschloss ich mich, auf Empfehlung von einer Freundin, mich bei www.workaway.info zu registrieren.

Workaway ermöglicht es, Reisenden gegen freie Kost und Unterkunft temporäre Arbeit zu finden. Fast 35.000 GastgeberInnen sind derzeit weltweit auf der Online-Plattform registriert – das Angebot reicht von der Arbeitshilfe in Haus und Garten, auf Bauernhöfen, bis hin zur Mithilfe in Hostels. Gegen eine Gebühr von € 32,- können sich Einzelpersonen (€42,- für Paare) ein Jahr lang registrieren und so für sie interessante GastgeberInnen ausfindig machen. Die Suchfunktion ermöglicht es, nach Ländern und eigenen Interessen zu filtern. JedeR GastgeberIn und jedeR sogenannte „WorkawayerIn“ erstellt ein eigenes Profil, das die Suche nach einem passenden Gegenüber natürlich erleichtert. Übrigens ist Workaway auch für Weltreisende ein guter Tipp, um die Geldbörse eine Zeit lang zu schonen.

Gesagt, getan – schon gleich in der ersten Woche meiner Recherchen fand ich eine Vielzahl an interessanten Angeboten und war bereits im Austausch mit einigen GastgeberInnen. Zufällig kam dann ein tolles Angebot aus Australien in mein Mailfach gerauscht. Australien? Das stand doch eigentlich nie so wirklich auf meiner „Bucket List“ … nett, wäre es allerdings schon und warum eigentlich nicht in den Sommer abdampfen? Zwei Wochen lang durchlief ich einen Organisationsmarathon mit Visum beantragen, Flug buchen, Infos übers Land einholen, alle Notwendigkeiten besorgen, . . . bis ich dann schlussendlich im Flieger nach Australien saß.

21 Stunden Flugzeit, die im extremen Kontrast zu jener Zeit vor meiner Abreise standen. Erst in diesem Moment wurde mir klar, was gerade eigentlich geschah: Job gekündigt, Rucksack gepackt, eine Reise ans andere Ende der Welt. Für einen Rückzieher war es nun zu spät, denn bereits bei meiner Ankunft in Brisbane wartete eine fünfköpfige Familie in der Ankunftshalle, die mir allesamt herzlich entgegen winkten – meine neue Aussie-Familie. Das Tempo nahm wieder Fahrt auf und die australischen Neuheiten flogen mir nur so entgegen: Linksverkehr, Kängurus, Aussie-Slang, Hochsommer anstatt Skianzug und warmer Wollmütze.

Fast vier Wochen lang unterstützte ich meine Aussie-Familie in der Nähe von Brisbane auf ihrer kleinen Pferdefarm und im Haushalt. Meine Freizeit verbrachte ich meist in der Umgebung oder gemütlich in meinem Australischen Zuhause. Denn außer Natur gab es dort nicht viel zu entdecken: ihre kleine Farm stand drei Kilometer vom nächsten Ort entfernt und auf dem Weg dorthin begegneten mir zumeist nur Kängurus und Vieh. Dennoch, ich liebte meine Zeit an diesem kleinen Fleckchen am Ende der Welt. Ich hatte unglaubliches Glück mit meiner Gastgeber-Familie und mit ihnen neue Freunde gewonnen.

Natürlich kam auch das Erkunden von Down under nicht zu kurz. Zwischendurch düste ich für einige Tage gen Norden, um das berühmt, berüchtigte Great Barrier Reef zu sehen. Allerdings mit wenig Erfolg. Denn nach 500 Kilometern Busfahrt, war der Abstecher in See nicht möglich, da dummerweise gerade zu jenem Zeitpunkt das Boot zum Reef auf Grund eines Unfalls am Vortag schlapp machte. Nichtsdestotrotz durfte ich auf diesem Kurztrip einige schöne Fleckchen Australiens entdecken und als Highlight sogar Meeresschildkröten beim Schlüpfen zusehen – ein besonderes Erlebnis. Mein Vorhaben, mich erstmals in meinem Leben auf ein Surfbrett zu stellen, konnte ich einige Tage darauf dafür in Noosa realisieren – ebenfalls ein Erlebnis, das ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

Nach der Zeit bei meiner Aussie-Familie machte ich mich dann mit meiner Cousine Maria – sie entschloss sich spontan für eine Reise nach Australien – ganz konventionell mittels Greyhound-Bus von Brisbane nach Sydney auf Achse. Unsere Stopps versuchten wir am Rande der üblichen Touristenrouten einzulegen. Dennoch – Fraser Island durfte auf unserer Erkundungstour nicht fehlen. So beschlossen wir, bevor wir uns Richtung Süden aufmachten, zunächst die Gegenrichtung anzusteuern, um die ewig langen weißen und atemberaubenden Strände der weltgrößten Sandinsel zu entdecken – ein Naturjuwel, das man auf einer Australien-Reise keinesfalls auslassen sollte.

Auf unserer Tour Richtung Sydney sahen wir ein kleines Fischerörtchen namens Yamba, das in dieser Gegend neben Byron Bay für Surfer als ein Hot-Spot gilt. Nach sonnigen Tagen in den australischen „Bergen“ und am Meer rund um Dorrigo, Bellingen und Urunga, stoppten wir in Newcastle, um uns für einen Tag auf eine lustige Weintour im Hunter Valley zu begeben. Bevor wir dann Sydney erkundeten, machten wir noch einen Abstecher nach Canberra, um Bekannte zu besuchen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde uns klar, warum die meisten Australier auch im Inland den Luftverkehr bevorzugen – Zugreisen haben in Down under sicherlich noch Aufholbedarf und falls man sich dennoch dafür entscheidet, ist Geduld und Zeit gefragt. Nichtsdestotrotz landeten wir schließlich trotz Schienenverkehr wieder in Sydney, wo wir unseren Trip durch einen Teil Australiens mit atemberaubendem Sightseeing, leckerem Essen, langen Shoppingtouren, Stadtspaziergängen und viel Foto-Geknipse ausklingen ließen.

„Prädikat: äußerst sehenswert“ – lautet kurzum mein Fazit der Australien-Reise!