ESK-Freiwilligendienst

Irland, die grüne Insel der Zukunftsorientierung (und der Pubs)

Weit über den Wolken blickte ich am 16. September 2019 auf die grünen Wiesen der Insel. Vor mir lagen knapp zehn Monate ESK-Freiwilligendienst. In diesem Moment hätte mir nichts und niemand meine Fröhlichkeit nehmen können, denn ich war endlich „frei“.

Das Projekt mit dem Schmetterling

„Aisling Project“ – Das Projekt, das Kinder aus schwierigen Verhältnissen nach der Schule betreut und ihren Familien Unterstützung anbietet. Dabei legt das Center den Schwerpunkt vor allem auf Kinder zwischen acht und 18 Jahren aus der Region Ballymun. Es wird versucht, jede Familie und jedes Kind bestmöglich zu unterstützen und ihnen zu helfen.

Bereits vor meinem ersten Arbeitstag wusste ich, dass diese Arbeit herausfordernder werden würde als die Arbeit mit den Kindern im Kindergarten. Jedoch war ich offen für Neues. Die gegenwärtigen Situationen vieler Kinder, denen ich tagtäglich gegenüberstand, aber auch deren Vergangenheit erforderte oft sehr viel Verständnis. Anfangs war es ziemlich herausfordernd, auf das Verhalten der Kinder richtig zu reagieren und passende Maßnahmen zu setzen. Vor allem wurde mir schnell klar, dass ohne das Vertrauen der Kinder kaum etwas funktionierte. Doch mit Geduld und der Hilfe der anderen Betreuer habe ich es geschafft, Beziehungen zu den Kindern aufzubauen. Es gab viele Tage, an denen ich nach meinem Arbeitstag einfach nur völlig erschöpft in mein Bett gefallen und eingeschlafen bin. Doch ich würde diese Erfahrungen und Momente für nichts in der Welt hergeben, denn jedes Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes, jedes aufklärende Gespräch, jedes Kind, das mir sein Vertrauen schenkte, hat mir gezeigt, dass ich durch kleine Gesten und konsequentes Arbeiten viel bewegen kann.

Reisen bei Wind und Sturm – in Irland ein Muss

Ich schaue aus dem Fenster und es regnet. Bleibe ich zuhause? Nein. Denn dann würde ich in Irland nichts zu sehen bekommen. Ein Grund, jedoch kein Hindernis. Regenjacke an und hinaus in das Wetter. Denn wenn man das Wetter mal gewohnt ist, dann stört es einen auch nicht mehr und das Schöne daran ist: So schnell es meist zu regnen beginnt, so schnell hört es wieder auf. Ich glaube auf meinen gesamten Reisen habe ich meist mindestens einen Regenbogen gesehen. Man beginnt sich eben auszurüsten und nicht darauf zu vertrauen, dass man trocken bleibt. Und trotz Regen, Sturm und Schnee habe ich wundervolle Momente erleben dürfen. Dazu darf ich welche innerhalb Dublins zählen, da die Stadt wunderschöne Strandorte mit Klippenspaziergängen bietet, wie beispielsweise Bray, Howth oder Malahide, aber auch das Naturschutzgebiet Wicklow. Doch auch außerhalb von Dublin gibt es wunderschöne Orte, die es zu bereisen gilt. Ob Edinburgh, Ennistymon, Belfast, Galway oder Killarney, jedes einzelne Örtchen nahe oder in Irland kann sich sehen lassen.

Irlands Kobolde – Menschen, Kultur, Slang

Irish Coffee, Guiness, Whiskey – Slainté! Iren lieben ihre Pubs, was man ihnen aber auch nicht vorwerfen kann, denn läuft man durch die Gassen, hört man überall Musik. Man entscheidet sich für ein Pub nicht wegen dessen Aussehen, sondern aufgrund der Live-Musik, die nach draußen klingt. Denn die meisten Pubs beginnen täglich um 5 Uhr nachmittags verschiedene Musiker in ihren Pubs spielen zu lassen, um ihre Gäste zu unterhalten. Doch nicht nur um den musikalischen Kult kann man die Iren beneiden, auch in Sachen Freundlichkeit und Offenheit sind die Inselgänger uns um einiges voraus. In den meisten Ländern rennt man, auf sein Handy starrend, Google Maps verfluchend, von links nach rechts, um ein Ziel zu finden. In Irland wird man vom nächsten Iren angesprochen und er bietet einem sein Hilfe an, denn man sehe so verloren aus. Der Mythos der vielen Rothaarigen kann ich zum Teil bestätigen. Ich habe einige „Gingerheads“ kennengelernt, jedoch würde ich es vermeiden, Iren auf ihre roten Haare anzusprechen und verwende niemals den Ausdruck „Gingerheads“, denn er gilt als Schimpfwort.

Durch die Arbeit in meinem Projekt habe ich sehr hilfreiche Wörter des irischen Slangs mitgenommen. Wörter wie, „Grand“, „Feck ya“, „Deadly“, „that’s mental“ waren gängiger Sprachgebrauch. Eine der früheren Freiwilligen hatte sogar ein Slang-Wörterbuch geschrieben, das sehr hilfreich war, denn Irländer lieben es, sich einen Spaß daraus zu machen, ihren Slang zu nutzen, damit andere sie nicht mehr verstehen. „I don’t think they are the full shilling. “

Herausforderungen meistern – ein paar Tricks

Reisen, neue Leute kennenlernen, lustige Momente und eine großartige Arbeit, doch so ein Auslandsjahr ist auch mit Herausforderungen verknüpft. Man wird mit Fremden in eine Wohnung gesteckt, die man zuvor nicht kennt, muss sich in einer Stadt zurechtfinden, von der man keine Ahnung hat und dann ist da noch die Tatsache, dass alle Ansprechpartner meilenweit von einem entfernt sind. Wie gehe ich das an? Ich muss sagen, die erste Zeit war am einfachsten, da ich da noch auf Wolke Sieben schwebte. Doch es dauerte nicht lange und die ersten Probleme warteten auf uns in unserer kleinen Wohnung und manch stressige Zeit kam auf mich zu. Wir hatten tierische Mitbewohner und mussten abends, nach dem nach Hause kommen, dafür sorgen, diese zu beseitigen. Allein zu wohnen ist nicht immer so einfach, wie man sich das vorstellt. Was mir bei stressigen und herausfordernden Situationen geholfen hat, war, dass ich versucht habe nie das Positive aus den Augen zu verlieren. Denn in jeder noch so negativen Situation gibt es einen Funken Positivität, auch wenn es nur der Humor ist, der dir bleibt. Dabei denke ich zum Beispiel an die Maus, die mich in der Nacht an meinem Fuß gekitzelt hat und ich durch mein Erschrecken alle anderen aufgeweckt habe. Letztendlich wollte das Mäuschen mich ja nur zum Lächeln bringen.

COVID-19 – vier Monate frühzeitig zurück

Vor nun knapp eineinhalb Monaten habe ich dann meine Heimreise dank der Pandemie antreten müssen. Langsam, aber wirklich im Schneckentempo realisiere ich, dass ich den Sommer in Irland nicht mehr miterleben kann. Viele meiner Pläne wurden durch dieses ganze Chaos zerstört, aber ich denke, das geht vielen so. Derzeitig bin ich noch durch Homeoffice als Freiwillige im Projekt tätig, während alle anderen Freiwilligen, welche ebenfalls die Heimreise angetreten haben, das Projekt abgebrochen haben. Trotzdem bin ich wirklich froh, dass ich die Möglichkeit hatte, dieses Auslandsjahr anzutreten und Irland in seiner ganzen Vielfalt zu erleben. Denn ich habe nicht nur viel über eine andere Sprache, eine andere Kultur und eine Organisation gelernt, ich habe vor allem sehr viel über mich selbst gelernt. Ich habe herausgefunden, was mich wirklich interessiert, in welche Richtung ich mich weiterbilden will und was für mich der richtige Weg sein wird.

Trau dich

Wenn du nicht weißt, welche zukünftige Richtung du einschlagen willst oder, wenn dir einfach alles zu schnell geht, aber auch, wenn du sagst, ich brauche einfach einmal eine Auszeit von Zuhause oder es dich immer schon ins Ausland gezogen hat, dann empfehle ich dir ein ESK-Freiwilligenjahr auf jeden Fall. Es bringt neue Erfahrungen, lustige Momente, weltweite Freunde und das Wichtigste für mich: neue Erkenntnisse über dich selbst, die du in deinem gewohnten, sicheren Umfeld niemals finden würdest. Der ESK-Freiwilligendienst ist für jeden machbar, da die finanzielle Unterstützung vorhanden ist, die Organisation großartig ist und was für mich am wichtigsten ist: Es gibt wirklich tolle Projekte und Länder, die du dir selbst auswählen kannst und bei denen du die Möglichkeit hast, endlich mal aus deiner Komfortzone herauszukommen.