Im LändleYouth Reporter

„Wir sind in Krisenzeiten“

Fridays4Future

Aaron Wölfling von Fridays for Future Vorarlberg spricht über die neue Kampagne Klimaländle – Klimagerechtigkeit in alle Gemeinden. Diese Kampagne soll die Gemeinden im Ländle dazu anregen, ihre Klimapolitik zu verbessern.

Was ist der zentrale Punkt eurer neuen Kampagne Klimaländle?

Aaron Wölfing: Mit der Kampagne Klimaländle wollen wir den Gemeinden erste Schritte aufzeigen, mit denen sie einer klimafreundlichen Politik näherkommen. Im Pariser Klimaabkommen wurde beschlossen, dass der Temperaturanstieg bis 2030 auf 1,5 Grad begrenzt werden soll. Momentan ist die Klimapolitik auf der internationalen sowie auf der regionalen Ebene großteils nicht mit diesem 1,5-Grad-Ziel konform. In unserem Forderungspapier haben wir skizziert, wie die Gemeinden eine angemessene Klimapolitik machen und dieses Ziel noch erreichen können.

Eure drei Forderungspunkte sind Klimanotstand, Klimaausschuss und Klimaziel. Welcher davon ist deiner Meinung nach am wichtigsten?

Aaron Wölfing: Da alle drei Forderungspunkte miteinander zusammenspielen, sind sie alle essenziell. Im Mittelpunkt steht natürlich das Klimaziel. Dieses basiert auf dem Treibhausgasbudget, welches aus dem 1,5-Grad-Ziel abgeleitet wurde. Wenn wir nichts ändern, wird dieses Budget in den nächsten fünf bis zehn Jahren aufgebraucht sein. Deswegen müssen wir sofort damit beginnen, die Emissionen in regelmäßigen Schritten zu reduzieren. Das ist die zentrale Idee. Beim Klimanotstand sollen die Gemeinden die wissenschaftliche Lage anerkennen. Dadurch können sie der Bevölkerung kommunizieren, dass wir uns in einer Klimakrise befinden. Dies ist notwendig, da ohne die Bevölkerung keine effiziente Klimapolitik möglich ist. Auch ein Klimaausschuss ist wichtig, da dieser die gesetzten Maßnahmen kontrollieren wird. Die drei Forderungen hängen eng zusammen und sind aus diesem Grund auch alle wichtig.

Gibt es von eurer Seite konkrete Vorschläge für die Gemeinden, wie sie zur Erreichung des Klimaziels beitragen können?

Aaron Wölfing: Wir haben einige Ideen, auch wenn wir uns für die einzelnen Maßnahmen nicht verantwortlich fühlen. In Vorarlberg haben wir eine katastrophale Verkehrspolitik. Deshalb könnte man zum Beispiel die Ortskerne und Innenstädte von Autos befreien. Damit würde man einerseits dem Klima etwas Gutes tun, andererseits wäre es auch kulturell und wirtschaftlich sinnvoll. Viele Gemeinden könnten hier handeln, da die Umsetzung nicht sehr schwer ist. Natürlich gibt es auch noch viel andere Möglichkeiten, das Klimaziel zu erreichen.

Durch den Ausbruch des Coronavirus ist das Thema Klimaschutz ziemlich in den Hintergrund geraten. Macht ihr etwas, um es wieder in den Vordergrund zu rücken?

Aaron Wölfing: Die Coronakrise, beziehungsweise die daraus resultierende Wirtschaftskrise, stehen in einem direkten Zusammenhang mit der Klimakrise. Wir sind in Krisenzeiten und müssen aufhören, diese Krisen voneinander zu separieren. Ich habe das Gefühl, die Politikerinnen und Politiker versuchen immer, nur eine Krise zu bewältigen. Währenddessen verschlimmert sich eine andere Krise und diese wird dann provisorisch bewältigt, während sich die vorherige wieder verschlimmert. Diese Taktik funktioniert nicht lange. Deshalb ist es für uns wichtig zu betonen, dass wir die verschiedenen Krisen als ein Ganzes sehen müssen.

In den kommenden Wochen habt ihr wieder Demonstrationen geplant. Wie schafft ihr es dort die derzeitigen Gesundheitsmaßnahmen durchsetzen?

Aaron Wölfing: Natürlich werden wir uns gut auf die in den nächsten Wochen stattfindenden Demonstrationen vorbereiten. Wir werden verschiedene Maßnahmen setzen und uns selbstverständlich an die Vorgaben des Bundesministeriums für Gesundheit halten.  Ob eine Maskenpflicht während den Demonstrationen eingeführt wird, steht bisher noch nicht fest.

Was können Jugendliche tun, um euere Kampagne zu unterstützen?

Aaron Wölfing: Das Wichtigste ist natürlich in den nächsten Wochen auf die Demonstrationen in den Bundeshauptstädten zu kommen. Auf unsere Website sowie auf unseren Accounts in den Sozialen Medien findet man alle Informationen dazu. Außerdem sollten Jugendliche ihre Stimmen nutzen. Vorarlberg hat 96 Gemeinden und wir können nicht mit allen Entscheidungsträgern und Entscheidungsträgerinnen sprechen. Jugendliche könnten zum Beispiel in Gemeinde- oder Stadtvertretungssitzungen gehen. Bei diesen kann man auch als normaler Bürger einfach etwas sagen. Hier kann man den Kontakt suchen und vielleicht auch noch unsere Forderungen promoten. Damit würden Jugendliche einen wichtigen Beitrag für unsere Kampagne leisten.

Jugendliche nehmen Stellung …

Corona darf uns nicht vergessen lassen

Mit den folgenschweren Waldbränden in Australien schien 2020 vorerst wieder vollkommen im Zeichen des Klimawandels und der Umwelt zu stehen. Doch nur kurz darauf folgte Corona und der Fokus des Jahres richtete sich plötzlich nicht mehr auf das Wohlergehen unserer Erde, sondern auf die Gesundheit derer Bewohner. Die Welt wirkte zum Teil menschenleer und die Natur konnte sich endlich erholen. In Großstädten konnte man endlich wieder frische Luft einatmen und man munkelte sogar, Delfine in den Kanälen Venedigs gesichtet zu haben.
Das ist wohl der einzige positive Effekt dieser Pandemie, die noch immer unsere Leben bestimmt. Doch wie sieht es mit der Umwelt aus, wenn wir die globale Krise überwunden haben? Kehren wir wieder zu unserem Alltag von 2019 zurück oder wird nichts mehr so, wie es einmal gewesen ist? Um die Pariser Klimaziele auch nur annähernd zu erreichen, müssen wir den weltweiten Zusammenhalt, der sich 2020 neu geformt hat, beibehalten. Aber im Kleinen kommt es auf jede Gemeinde einzeln an –angefangen mit Abfallreduktion bis hin zu klimafreundlicher Mobilität. Denn nur, wenn jeder seinen Beitrag leistet, kommen wir ans Ziel.
Lisa Stenech (aha Jugendteam)

Dringender Klimacheck

Das wärmste Jahr jeher ist 2016 dicht gefolgt bin 2019, 2015, 2017 und 2018 – wir befinden uns in einer Abwärtsspirale! Der Amazonas brennt und wird gerodet, Sibirien verdampft und Grönland wird bald kein Schnee mehr haben. In Kanada ist seit 2008 möglich im Sommer mit großen Handelsschiffen ohne Eisbrecher durch die Arktis zufahren.
Auch im Ländle können wir einiges für die Umwelt tun: privat z. B. Öffis fahren statt Auto, auf den Fleischkonsum achten etc. Alle Vorarlberger Kommunen sollten einen Klimacheck einführen, der alle bestehenden und kommenden Verordnungen auf die Klimaverträglichkeit prüfen soll. Dazu hat sich Österreich zum Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet, weswegen ein klarer Plan zur Netto Null im Jahr 2030 wichtig ist – und dies heute und nicht erst in fünf Jahren.
Dave Kock (aha Jugendteam)

Klimagerechtigkeit in allen Vorarlberger Gemeinden …

… das fordern die Jugendlichen von Fridays for Future Vorarlberg. Ambitioniert, aber absolut notwendig. Drei Schritte müssen nach den FfF-Forderungen erledigt werden, um das Ziel einer Klimagerechten Gemeinde zu erreichen. Die Erklärung des Klimanotstandes als Anerkennung wissenschaftlichen Sachlage, das Setzen von Klimazielen und die Gründung eines Klimaausschusses, der dafür sorgt, dass diese Ziele auch eingehalten werden. Das Politikerinnen und Politiker aus den einzelnen Kommunen diese Forderungen unterstützen und auch umsetzen ist in meinen Augen essenziell für die Zukunft von Vorarlberg. Was wir brauchen ist ein „Klimaländle“ und dafür kämpfen wir von Fridays for Future Vorarlberg.
Constantin Eberle (Fridays for Future Vorarlberg, aha Jugendteam)