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WWOOF is a priceless experience!

6 Monate – 6 einzigartige „Stops“!

Am 31.05.2015 war es endlich soweit! Ich brach zu meinem lange erwarteten Abenteuer „Kanada“ auf. Nachdem ich monatelang organisierend und nervös-wartend verbracht hatte, konnte ich es kaum glauben, dass es nun tatsächlich losging.

Ich hatte mich bei WWOOF angemeldet. WWOOF steht für „worldwide opportunities on organic farms“. Es ist ein Programm, welches einem ermöglicht, auf der ganzen Welt für Kost und Logis auf Bauernhöfen mit zu helfen. Kontakt mit den Höfen kann man über eine Internetseite aufnehmen (in Kanada: www.wwoof.ca). Hier hat jeder Farmer und Helfer ein Profil (ähnlich wie bei Facebook). Man kann dann die Liste der Hosts durchgehen und, wenn man einen sympathischen Hof gefunden hat, per E-Mail anschreiben. Wenn der Bauer zusagt, ist man selbst für die Anreise zuständig, obwohl die Farmer in den meisten Fällen so gütig sind, einen am Bahnhof abzuholen.

Die etlichen Stunden Flug nach Vancouver vergingen grausam-zäh, aber dann war ich da! Am Flughafen hat der freundliche junge Zöllner noch schnell meinen gesamten Rucksack auf den Kopf gestellt und jedes einzelne meiner Besitztümer genauestens unter die Lupe genommen, bevor er mir nach einer langen Stunde mitteilte, dass ich gehen dürfe. Die ersten beiden Tage meiner Reise verbrachte ich in Vancouver, bevor ich mich auf meine erste Farm aufmachte. An dieser Stelle nahm ich mir fest vor, noch einmal in diese wunderschöne, junge und sehr abwechslungsreiche Stadt zu kommen.

STOP 1

Nach einem halben Tag Bus-, Fähren-, Bus-, Fähren- und nochmal Busreisen war ich dann auf meinem ersten Bauernhof: Matador Farm auf Gabriola Island, British Columbia. Der perfekte Platz, um einen Teil meines Sommers zu verbringen: schön warm, eine kleine Insel, d.h. immer Zugang zum Meer und eine tolle Familie. Sie hatten einen ganzen Haufen Schweine, Gänse, Enten, Schafe, die wir jeden Tag zwei Mal melkten, und 2 Hunde. Ich war nicht der einzige WWOOFer hier. Noch 4 weitere Helfer waren auf der Farm, was mich vor allem in unserer Freizeit sehr freute. Wir gingen jeden Tag ans Meer, spielten Karten und machten allerlei Blödsinn.

STOP 2

Ende Juni ging es dann weiter für mich: In das etwas nördlicher gelegene Prince George, British Columbia. Auf dieser Farm, die total im Busch liegt (eine Stunde nach Prince George, welches die nächste ernstzunehmende Zivilisation war), hatten wir einen Garten, zwei schöne weiße Zugpferde, einen kleinen Hund und Hühner. Ich ging mit dem Farmer einige Male Holz schlagen und half ihm, mit einer riesigen, steinalten Säge, Bretter aus den Stämmen zu schneiden. Da der Bauer und seine Frau begeisterte Hobbyfotografen sind, konnte ich auch auf diesem Gebiet sehr viel lernen. Außerdem hatten sie eine 13-jährige Tochter, mit der es ganz bestimmt niemals langweilig wurde. In meiner Freizeit bin ich Kanufahren gegangen. Außerdem habe ich im Willow River Gold geschürft (richtig mit einem alten, rostigen Metallteller) und habe auch welches gefunden. Das kanadische Gold aus dem Willow River steht jetzt in meinem Zimmer in Lustenau.

STOP 3

Anschließend bin ich weitergezogen nach Williams Lake, British Columbia. Hier traf ich zum ersten Mal auf einen leibhaftigen Cowboy. Ich konnte kaum fassen, dass die wirklich noch so rumlaufen und leben, wie man es aus den Filmen kennt. Damit meine ich nicht, dass sie sich auf offener Straße erschießen, aber wenn ein Kalb entkommt, fangen sie es wirklich mit dem Lasso ein. Und das ist ja wohl schon ziemlich cool. Hier war ich am Morgen und am Abend für das Füttern und Wässern der Pferde, Kühe, Schweine, Hühner und Hunde verantwortlich. Unter Tags hatte ich dann Arbeiten wie misten, Hühnerställe bauen usw.

Eines der Highlights auf meinen Reisen war auch der sogenannte „cattle drive“, was ich hier zum ersten Mal machen durfte. Cattle drive heißt es, wenn man auf Pferden die Rinder vor sich hertreibt. Meistens von einem Gehege ins nächste oder von der Weide nach Hause. Da bin ich mir auch wie ein richtiger Cowboy vorgekommen.

Als ich dann Williams Lake verließ, und auf dem Weg zur nächsten Farm in Rocky Mountain House, Alberta war, wurde mir schmerzlich bewusst, dass meine Reise schon zur Hälfe um war. Da das Touristenvisa auf 6 Monate begrenzt ist, konnte ich leider nicht länger bleiben.

STOP 4

Auf dieser Farm in Rocky Mountain House, Alberta sind wir (auch hier waren wir wieder mehrere WWOOFer) täglich mindestens 4 Stunden geritten. Die Besitzerin hatte 30 Pferde und 2 Monate zuvor einen schweren Reitunfall. Nun konnte sie ihre Pferde nicht mehr reiten. Somit mussten wir Montag bis Freitag 5 Stunden arbeiten (meistens sind wir im Truck um das unfassbar große Grundstück gefahren und haben Stacheldrahtzäune aufgestellt). Am Wochenende sind wir teilweise 8 Stunden am Stück geritten. Um das Haus war ein riesiger Wald, mit wunderschönen weißen Bäumen, ähnlich wie Birken, was den ganzen Wald weiß machte. Dort sind wir dann Stundenlang auf den Pferden durch den Wald, an Flüssen entlang geritten. Immer den Hund Amus Moses an der Spitze der Gruppe. Wir waren auch für die Sauberkeit der Pferdeboxen zuständig. Da die Pferde aber nur während dem Satteln in den Boxen und sonst immer auf der Koppel waren, war das keine allzu große Arbeit.

Auf dieser Farm sah ich auf zum ersten Mal Nordlichter. UNFASSBAR. Das war der Moment, wo mir sprichwörtlich der Atem stockte. Schweren Herzens musste ich mich aber auch hier verabschieden, da ich im Spätherbst noch kanadische Kälte spüren wollte.

STOP 5

Also machte ich mich auf nach Dawson Creek, British Columbia. Dort hatten wir Mitte November für zwei Wochen -20°C. Das war dann doch etwas mehr kanadische Kälte als ich mir gewünscht hatte. Hier waren wir fünf WWOOFer, der Farmer und seine Tochter. Unser Job war es, hunderte von Schweinen zu füttern, zu den Kühen zu sehen, und die Bisons zu füttern, die der Farmer hielt. Ja, Bisons. Wandelnde Fleischberge, die laut dem Farmer auf den ersten 30 Metern schneller als ein Pferd sein sollen. Wenn das stimmt, schaffen es diese so schwerfällig aussehenden Tiere, mit einer unglaublichen Kraft und Energie ihr großes Gewicht in Bewegung zu bringen.

In unserer Freizeit spielten wir Poker, Black Jack und gingen an den Abenden zu den Nachbarn. Die Nachbarn waren – Zitat: „Nur schnell um die Ecke“. Nur schnell um die Ecke stellte sich als viertelstündige Fahrt mit dem Truck heraus. Hier hatten wir beinahe jede Nacht Nordlichter und wir verbrachten viele Stunden, dick eingepackt auf der Veranda sitzend, dieses Naturphänomen beobachtend. Nachdem ich mich auch hier wieder mit zu vielen Menschen angefreundet hatte, um beim Abschied nicht traurig zu sein, machte ich mich noch ein letztes Mal auf den Weg an einen anderen Ort.

STOP 6

Ich ging noch einmal, diesmal für 10 Tage, nach Vancouver. Ich hatte mich die letzten Wochen schon um Leute bemüht, bei denen ich Couchsurfen konnte. Couchsurfing war eine der besseren Ideen, die ich hatte. Bei Couchsurfing schreibt man im Internet (couchsurfing.com) Leute an, und fragt, ob man für ein paar Tage bei Ihnen übernachten kann. Unentgeltlich. Die Idee dahinter ist, eine Community aufzubauen, mit der man dann sehr günstig reisen kann. Außerdem hat man immer einen einheimischen Ansprechpartner. Ich hatte zwei Couchsurfhosts. Beide waren sehr freundlich, gingen mit mir aus, zeigten mir die Stadt und waren während dieser Tage einfach gute Freunde.

Während meines zweiten Aufenthalts in Vancouver hatte ich ein weiteres Highlight geplant: Der Besuch eines NHL Spieles der Vancouver Canucks (Eishockey). Nachdem ich mich in der Shoppingstraße mit einem Trickot ausgestattet hatte, ging ich voller Erwarten und Vorfreude auf das Spiel Vancouver Canucks vs. Chicago Blackhawks. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt: viele Tore, eine Schlägerei auf dem Eis, eine tolle Stimmung in der Arena und ein Sieg der Canucks. Es hat mir so gut gefallen, dass ich mich am Tag danach spontan dazu entschied, nochmal zu gehen. Diesmal waren die New Jersey Devils zu Gast in der Rogers Arena. Auch diesmal war es ein packendes Spiel, auch wenn sich die Canucks knapp geschlagen geben mussten.

Sonst war ich noch in den sehr nahe (30 Minuten mit dem Bus) gelegenen Bergen, war im homosexuellen Viertel (manche Zebrastreifen sind dort Regenbögen), in Chinatown, in etlichen Bars und in Stanley Park.

Exakt 6 Monate nachdem ich den Flieger von Zürich nach Vancouver bestiegen hatte, musste ich nun aber leider wieder den Flieger in die andere Richtung nehmen. Hier war ich etwas unsicher was ich eigentlich wollte: auf der einen Seite freute ich mich wahnsinnig auf alle Leute hier zu Hause. Auf der anderen wäre ich gerne noch länger geblieben. Da ich aber ohnehin keine Wahl hatte, ging es für mich also wieder zurück nach Europa.

Abschließend kann ich allen, denen das Leben auf einem Bauernhof Spaß macht, das WWOOFen nur herzlichst empfehlen. Man lernt nicht nur eine große Menge an wundervollen Menschen kennen, sondern die Arbeit mit den Tieren und den Traktoren und das ganze Cowboysein sind einfach unfassbar.