Als sich mein Abschlussjahr in der Schule dem Ende näherte, war mir eines klar: Bevor ich zu studieren beginne, möchte ich unbedingt ein Gap Year machen. Mir war es dabei wichtig, diese Zeit sinnvoll zu nutzen, neue Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig etwas zurückzugeben. Genau deshalb habe ich mich für das ESK-Programm entschieden.
Beim Durchstöbern des ESK-Portals stieß ich schließlich auf eine Einsatzstelle in einer Bücherei in Łódź, Polen. Allein der Gedanke daran – Freiwilligenarbeit umgeben von Büchern – hat mich sofort begeistert. Da ich zwar ins Ausland wollte, aber nicht allzu weit weg, schien Polen für mich die perfekte Wahl. Ein zusätzlicher Glücksfall: Ich wurde gemeinsam mit einer Freundin für das Projekt ausgewählt, und so konnten wir im September gemeinsam unsere Reise antreten.
In Łódź angekommen, war ich zunächst von der Größe der Stadt beeindruckt – vor allem im Vergleich zu meiner Heimat Bregenz. Insgesamt waren wir 16 Freiwillige, die in ganz unterschiedlichen Bildungsprojekten tätig waren: von Büchereien über Kindergärten bis hin zu Waldkindergärten. Einmal pro Woche, immer dienstags, trafen wir uns alle in der Koordinierungsorganisation. Diese Tage waren besonders wertvoll, denn wir setzten gemeinsam viele spannende Projekte um: interkulturelle Tage, bei denen wir typische Gerichte aus unseren Heimatländern kochten, kreative Workshops rund um Themen wie die Arbeit mit Kindern oder auch einfach gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Lasertag oder gemeinsames Essen. Gerade diese Treffen halfen enorm beim Einleben und machten es leicht, Kontakte zu knüpfen. Durch die kulturell sehr gemischte Gruppe lernte ich unglaublich viel über andere Länder, Kulturen und Lebensweisen.
Auch meine Wohnsituation war eine spannende Erfahrung. Ich lebte in einer Wohnung mit drei anderen Frauen aus unterschiedlichen Ländern, hatte aber ein eigenes Zimmer. Der Alltag brachte einige Herausforderungen mit sich – vom Kochen auf einem Gasherd über Einkaufen ohne Auto bis hin zum Zusammenleben mit verschiedenen Kulturen. Rückblickend habe ich aus all dem sehr viel gelernt und mitgenommen.
Meine Arbeit in der Bücherei war ein echtes Highlight. Der Weg dorthin dauerte nur drei Minuten zu Fuß, und ich wurde von den Mitarbeiterinnen unglaublich herzlich aufgenommen. Obwohl die Sprachbarriere manchmal eine Herausforderung war – sie sprachen hauptsächlich Polnisch und nur wenig Englisch – haben wir immer einen Weg gefunden, miteinander zu kommunizieren. Ich durfte Workshops für Kinder und Senior*innen über Österreich gestalten und wurde dabei durch Englisch-Polnisch-Übersetzungen unterstützt. Zusätzlich leitete ich selbstständig drei Conversation Clubs pro Woche: Mit Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren lernte ich spielerisch Englisch, mit Erwachsenen vertiefte ich die Sprache durch Gespräche. Die Zeit in der Bücherei habe ich sehr genossen und viele wertvolle Erinnerungen gesammelt, die ich nicht vergessen werde.
Łódź bedeutet übersetzt „Boot“ – auch wenn es heute keine großen Gewässer mehr in der Stadt gibt, überzeugt sie mit viel Grün und zahlreichen Parks. Ich war überrascht, wie viele und wie große Parkanlagen es gibt, die perfekt für Spaziergänge sind. Besonders schön fand ich die zutraulichen Eichhörnchen, die man überall trifft. Im Winter zeigte sich die Stadt von einer ganz besonderen Seite: Die verschneite Landschaft war atemberaubend, auch wenn man sich bei Temperaturen bis zu –15 Grad warm anziehen musste.
Mit der Tram war ich in etwa 20 Minuten im Stadtzentrum, wo sich mit der Piotrowska-Straße eine der längsten Einkaufsstraßen Europas befindet. Ein besonderes Highlight war für mich das Light Move Festival, bei dem die Gebäude entlang der Straße mit bunten Lichtinstallationen beleuchtet werden und eine einzigartige Stimmung entsteht. Ebenfalls unvergesslich waren meine Besuche in Warschau, das nur eine Stunde mit dem Zug entfernt liegt – sei es beim On-Arrival-Training mit Freiwilligen aus ganz Polen, beim Erkunden der Museen, beim Einkaufen oder beim Besuch des wunderschönen Weihnachtsmarktes.
Abschließend kann ich sagen, dass diese vier Monate eine echte Achterbahn der Gefühle waren – mit vielen positiven, aber auch herausfordernden Momenten. In dieser Zeit habe ich viel über mich selbst, über andere Kulturen, Länder und Lebensweisen gelernt. Vor allem die Menschen, die ich während dieses Projekts kennenlernen durfte, werde ich immer in meinem Herzen behalten.
Dieses ESK-Projekt war für mich eine wertvolle Zeit, für die ich sehr dankbar bin – und eine Erfahrung, die mich nachhaltig geprägt hat.