Ausland

Piemont – wo nicht nur der Wein gut ist

Hannah berichtet von ihrem ESK-Freiwilligendienst in einem Jugendzentrum in Italien.

Endlich, Matura absolviert! Was nun? Für mich war schon immer klar, dass ich nach der Schule noch ein bisschen „leben“ wollte, bevor ich mein Leben dem Studium widmen würde. Da ich Medizin studieren wollte und seit März auf die Aufnahmeprüfung lernte, hatte ich noch ein halbes Jahr Zeit, um zu tun, was auch immer ich tun wollte. Bei den Optionen, in einer Fabrik im Ländle zu arbeiten oder die Welt zu entdecken, war meine Wahl nicht allzu schwer. Die Idee für den ESK-Freiwilligendienst bekam ich von meiner Cousine Jana und nach kurzer Suche und einem Interview war für mich klar: Im September geht’s für 6 Monate nach Bella Italia.

Als ich in Tortona, einem kleinen Ort genau zwischen Milano und Genua in der Region Piemont ankam, war es ungewohnt: Das erste Mal alleine leben (ich muss zugeben, ich konnte nicht einmal eine Waschmaschine bedienen), doch durch meine zwei Mitbewohner aus Belgien und Spanien fand ich mich schnell zurecht.

Mein Alltag

Die Arbeit im Jugendzentrum, in dem ich gearbeitet habe, war leider ein bisschen enttäuschend, da meine Organisation gerade den Standort gewechselt hatte und seit der Corona-Pandemie nicht mehr wirklich Anschluss gefunden hat. Trotzdem habe ich mich schnell mit den Zivildienern, die auch dort arbeiteten, angefreundet. Und schon am ersten Tag wurde mir gesagt, dass ich wahrscheinlich ein Tischtennis-Profi werde, denn das war dann unsere Hauptbeschäftigung.

Nach einiger Zeit kam es aber, dass ich unter der Woche auch manchmal in einem Casa dei bambini (Nachmittagsbetreuung) mitbetreut habe und die kleinen Italiener*innen schnell ins Herz geschlossen habe. Denn obwohl meine Italienisch-Kenntnisse eher Mangelware waren, hat mit Händen und Füßen trotzdem alles immer geklappt. Wir haben mit den Kindern gespielt, gemalt und Hausaufgaben erledigt. An Halloween haben wir Freiwillige sogar einen ganzen Tag voller Spiele organisiert, der richtig gut angekommen ist.

Erasmus+-Projekte

Meine Highlights waren definitiv die Erasmus+-Projekte. Insgesamt waren es drei, an denen ich von meiner Organisation aus teilnehmen durfte, wodurch ich in eine komplett neue Welt von Erasmus+, von der ich nicht wusste, dass sie existiert, eingetaucht bin.

Die drei Projekte hatten verschiedene Standorte: Irland, Polen und Italien selbst, wodurch ich in wenigen Wochen ganz schön weit in Europa herumgekommen bin. Von einem Projekt über das Recycling von Stoffen namens #sewthefuture in Polen bis zur Natur pur #naturalclassroom im grünen Irland. Das letzte Projekt hat meine eigene Organisation in Tortona gehalten, wodurch ich auch bei den administrativen Aufgaben helfen durfte.*

In so einer kurzen Zeit habe ich viele Menschen von Jung bis Alt kennengelernt, die eine ganz andere Mentalität haben als die Menschen, die ich sonst kenne. In dieser Zeit habe ich, wie kitschig es auch klingt, viel über mich selbst gelernt und wie man die Welt zu einem bisschen besseren Ort machen kann.

Freizeit

Ansonsten habe ich die Zeit in Italien mit gaaaaanz viel Cappuccino, Brioche und Reisen verbracht. Jedes Wochenende habe ich einen kleinen Trip unternommen, manchmal mit Freund*innen oder sogar alleine (was ich davor auch noch nie gemacht hatte). Und ich muss sagen, auch in den Wintermonaten kann es ganz schön kalt an der ligurischen Küste oder in den italienischen Städten sein.

Mein Fazit des ESK-Freiwilligendienstes ist, dass es eine sehr gute Möglichkeit ist, sich selbst und eine neue Kultur besser kennenzulernen. Ich würde es auf jeden Fall noch einmal machen (wenn auch vielleicht an einem anderen Ort), und kann es nur allen weiterempfehlen, die gerne neue Erfahrungen machen!

 

*Aktuelle europäische Trainings für alle, die mit Jugendlichen arbeiten sowie Neues aus dem aha findest du in unserem monatlichen Newsletter.