AusLand

Alleine reisen

Was?! Ihr lasst sie alleine reisen? Mit 19? Als Mädchen?
Skeptische Blicke zu meiner Mama & meinem Däta.
Und du traust dich das? Hast du keine Angst, dass dir was passiert?
Prüfende Fragen an mich.

Und ja, mir ist was passiert: Ich habe mich verliebt. Ins alleine reisen. 12 Tage, die gereicht haben, um zu sagen – ich mach’s definitiv wieder!

Tja, diese Worte schrieb ich nach meiner Zeit alleine in Laos. Nach weiteren Tagen „alleine“ in Kambodscha (nur einer) und Hongkong kann ich sagen – ich würde es immer noch genau so formulieren.

Warum? fragt ihr euch vielleicht. Nun ja, es gibt mehrere Gründe für mich und wenn ich sie nun aufzähle, sind es oft die typischen Antworten, die jede/r gibt – weil’s tatsächlich so ist!

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich beschlossen habe, eine (wenn auch schlussendlich nur kurze) Zeit lang alleine zu reisen. Irgendwie, wahrscheinlich inspiriert von Blogs und Instagram, hatte ich diese Idee des Soloreisens im Kopf – und der Gedanke blieb. Eine Herausforderung, eine Konfrontation mit mir selbst und ein Weg, um meine eignen Grenzen auszutesten. Für mich war es eine fixe Sache und Laos erwies sich nach einigen Recherchen als sehr sicheres, aber nicht unbedingt typisches Anfangsland – genau mein Geschmack!

Überzeugt und begeistert sind nicht unbedingt die Worte, mit denen ich die Reaktion meiner Eltern auf meine Pläne beschreiben würde. Sie waren eher skeptisch und hatten (glaube ich zumindest) etwas Angst um mich, ließen mich aber schlussendlich mein Ding machen. Danke dafür!

Genug gelabert – wie war’s jetzt wirklich?
In Zürich nach der Verabschiedung alleine durch die Kontrollen zu gehen, am Gate zu warten, die Probleme zu meistern (mehr darüber in meinem „Hello adventure!“-Beitrag), ins Flugzeug einzusteigen und zu wissen, dass ich nun in einem vollkommen fremden Land auf mich alleine gestellt bin – das war ein komisches und überwältigendes Gefühl zugleich. Genau diese Nervosität und Anspannung fühlte ich auch nach den Abschieden von Tabea bzw. Angelika wieder. Es war jedes Mal besonders, die Reise in ein neues Land alleine zu beginnen.

Wie so oft gesagt und geschrieben wird (und fast schon für Soloreisen-„Marketing“ verwendet wird), kann man von dieser Art des Reisens extrem viel mitnehmen. Ich habe Einiges über mich gelernt, meine persönlichen Grenzen ausgetestet, kenne nun meine Reaktion in unterschiedlichen Situationen und weiß, wie ich mit Problemen umzugehen habe. Ich bin selbstbewusster geworden, offener und zugänglicher, wahrscheinlich auch etwas mutiger und lebe mehr mit einer „Wieso nicht?“-Haltung. Ich habe gelernt mehr „Ja“ zu sagen, aber auch ein klares „Nein“, wenn mir etwas gegen den Strich geht oder ich einfach nicht will. Ich bin ganz sicher spontaner und planloser geworden – wer braucht schon Pläne und gebuchte Flüge (hallo Flugstornierungen!), wenn jeder Tag was Neues bringen und alles nochmal auf den Kopf stellen könnte? Denn nur du selbst (und vielleicht dein Bankkonto) entscheidest, wann du was, wie, wo und wie lange machen willst!

Gefährliche Situationen habe ich – gottseidank – keine erlebt, ich hatte nie Angst oder fühlte mich unwohl. Das Schlimmste war ziemlich sicher meine (extrem dumme) Solo-Wanderung im Regen – und dabei sieht man, dass vor allem Denken unglaublich hilfreich sein kann!
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass man mir, gerade WEIL ich als Mädchen alleine reiste, viel eher mal zur Hilfe kam und sich um mich sorgte oder dass man mich versuchte „einzubinden“ und zum Beispiel auf einen Daytrip mitzunehmen.

Das Alleinereisen hat mich so vieles gelehrt, vor allem jedoch eines: es ist alles andere als ALLEINE reisen. Du triffst überall andere Reisende und Locals, lernst unglaublich viele Menschen kennen und wirst nach dieser Zeit ein Profi im Leute-Anquatschen und Travel-Smalltalk sein. Egal wo, im Gemeinschaftsraum oder dem Dormroom, in einer Bar oder in der Warteschlange eines Streetfood-Standes, in einer verzweifelten „Wo zur Hölle bin ich, Google Maps?“-Situation oder während dem Zähneputzen – irgendwann kommst du drauf, dass es immer eine Gelegenheit gibt andere anzusprechen.

Mit den üblichen Fragen wie „Where are you from? How long are you staying here? Where have you been? Where are you going next?“ hat man sofort ein Gespräch begonnen und merkt schnell, ob es dabei bleibt oder ob es vielleicht ein Drink oder ein gemeinsamer Tag wird und man sogar zusammen weiterreist.

Wenn ich mal „für mich sein wollte“, musste ich mir diese Zeit wirklich nehmen und einfach mit niemandem ein Gespräch beginnen – was echt nicht so leicht ist…
By the way, das Witzige ist, dass die Frage nach dem Namen der anderen Person meist sehr spät erst auftaucht, oft auch erst nach einer einstündigen Unterhaltung!

Wie ihr seht – ich lebe noch (sehr gut), habe meine Zeit alleine bis jetzt immer genießen können und bin begeistert von dieser Art des Reisens. Probiert es auch aus, denn meiner Meinung nach sollte jeder und jede mal diese Erfahrung machen. Vielleicht gefällt’s euch ja auch so gut?

Noch ein paar Tipps

  • Habe keine Angst
  • Sei offen, trau dich und such das Gespräch
  • Mitdenken verringert blöde oder gefährliche Situationen
  • Blickkontakt, lächeln = Gesprächsbeginn
  • Warteschlangen sind ein perfekter Gesprächsort
  • Versteck dich nicht hinter deinem Smartphone
  • Schlafe in Hostels und Dorms
  • Touren sind oft super, um Leute kennenzulernen, aber kein Muss!

Es ist auch absolut nicht schlimm, mal niemanden kennenzulernen und alleine zu sein – genieß die Zeit!

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