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Auslandspraktikum bei Zalando in Berlin

„Berlin, ick liebe dir!“

If your dreams do not scare you, they are not big enough

 Von Anfang April bis Ende August letzten Jahres war ich für ein Praktikum in Berlin.

„Man wird ja noch ein bisschen träumen dürfen…“ dachte ich mir, als ich im Jänner 2015 meine Bewerbung an Zalando, DEN Online-Händler schlechthin schickte. Zu dem Zeitpunkt war ich noch in der Lehre zur Medienfachfrau für Marktkommunikation und Werbung in einer renommierten Werbeagentur in Lustenau.

Mitte März absolvierte ich gerade die Lehrabschlussprüfung in Salzburg, als zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung ganz unverhofft ein Anruf von Zalando aus Berlin kam. Vier Tage später skypte ich mit meinen zwei zukünftigen Kolleginnen und keine 24h später kam eine Email mit der Zusage. Für Zalando. Für Berlin .

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Nachdem ich kurz vor Freude komplett ausgeflippt bin, meldete sich sofort die Realistin in mir. Wie sollte ich innerhalb von drei Wochen eine Wohnung in Berlin finden? Ob ich mich in der Metropole Berlin überhaupt zurechtfinden werde? Was, wenn das Praktikum doch nicht so toll ist, wie es klingt? Für ernsthafte Zweifel blieb dann aber glücklicherweise keine Zeit, denn innerhalb von 3 Wochen buchte ich einen One-Way-Flug und organisierte mir eine Wohnung über ein Onlineportal.

Am Ostermontag 2015 flog ich dann zum ersten Mal in die deutsche Bundeshauptstadt und vom Flughafen machte ich mich direkt auf den Weg in mein neues Zuhause, wo ich nun  für die nächsten 5 Monate leben sollte. Am Tag darauf hatte ich dann auch schon meinen ersten Arbeitstag. Als Praktikantin in den Bereichen Employer Branding und Culture & Engagement hatte ich vom ersten Tag an superspannende Aufgabengebiete. Das Organisieren von internen Veranstaltungen, die Vor- und Nachbereitung von Karrieremessen, die Mitarbeit bei Grafikprojekten – und das waren nur ein paar der tollen Projekte, in welche ich mit eingebunden wurde. Um nur einige Highlights zu nennen: Ich durfte mit auf die große Karrieremesse „connecticum“ im Tempelhofer Flughafengebäude, reiste einmal nach Mönchengladbach, ebenfalls für eine Karrieremesse im Bereich Textil und organisierte im Sommer selbständig das Mitarbeiter-Willkommen-Event für einige hundert Menschen. Allgemein hatte ich von Beginn an sehr viel Verantwortung und es wurde mir enorm viel Vertrauen entgegengebracht. Das war meine Chance, mich zu beweisen – und das hat mich sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht ein großes Stück weitergebracht. Das Praktikum (manchmal  habe ich sogar vergessen, dass ich noch Praktikantin war) war für mich persönlich das Sprungbrett: Seither weiß ich, dass es wichtig ist hart zu arbeiten, aber noch wichtiger ist der Glaube, dass man es schaffen kann, wenn man nur will!

Die Entlohnung war das Mindestgehalt für PraktikantInnen, nämlich € 8,50 pro Stunde! Das Gesetz für den Mindestlohn für Praktikanten gibt es erst seit 1.1.2015, und seither nehmen viele kleine Unternehmer in Deutschland leider keine Praktikanten mehr.

Sonstige Ausgaben: Miete war mit € 500 leider überteuert, aber in dem kurzen Zeitraum war was anderes suchen zu mühsam. Dafür war die Lage top. Bahnfahren ist relativ teuer in Berlin, es gibt aber Monatskarten. Essen und Trinken ist dafür billiger als bei uns in Österreich – viele Mittagsmenüs gibt es schon um € 5-6. Auch der Einkauf im Supermarkt ist etwas billiger.

thumb_IMG_3421_1024Hier ein paar Tipps für die Wohnungssuche in Berlin:

www.wg-gesucht.de

www.wohngemeinschaft.de

www.dreamflat.de

www.studenten-wg.de

www.wgberlin.net

Neben der beruflichen Herausforderung gab es auch sonst die ein oder andere Hürde zu nehmen. Wer schon einmal einen Termin beim Bürgeramt in Berlin hatte, weiß wovon ich rede – für die, die noch nie in den Genuss gekommen sind: Nehmt was zum Lesen mit. Am besten gleich zwei Bücher. Kann nämlich etwas dauern! Für meinen Gehalt musste ich auch ein deutsches Bankkonto eröffnen, das war überraschenderweise ganz unkompliziert. Die Versicherung an- oder wieder abzumelden funktionierte ebenfalls ohne größere Probleme. Trotzdem sind dies Dinge, die man erledigen muss – es lohnt sich also, wenn man sich schon vor der Abreise darum kümmert, was man vor Ort direkt erledigen muss.

Die Stadt selbst hat mich positiv überrascht. Ich war auf die kalte „Berliner Schnauze“ gefasst (also gut, die Busfahrer waren zu 90% richtig schlecht gelaunt), aber die meisten Berliner sind zwar sehr direkt aber nicht kalt. Und diese Direktheit ist gerade im Berufsleben oft von Vorteil; man weiß nämlich immer woran man ist. Die Berliner und Berlinerinnen sind also hilfsbereit, großzügig und haben immer einen frechen Spruch auf den Lippen. Und so habe ich sie auch ganz schnell ins Herz geschlossen.

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Ganz wichtig sind für mich auch die wunderbaren Freundschaften, die ich während meiner Zeit in Berlin geschlossen habe. Mit meiner Mitbewohnerin auf Zeit bin ich heute noch in ganz engem Kontakt und dass uns jetzt nicht mehr der Gang und zwei Türen, sondern ein ganzer Ozean trennen ist nicht so schlimm – dafür habe ich nun einen tollen Grund, bald ganz weit zu reisen.

Meine neuen Freunde haben mir Einblicke erlaubt, die ich so wahrscheinlich nie wahrgenommen hätte. Es macht unglaublich viel Spaß, neue Kulturen und Gewohnheiten kennenzulernen; seinen Fremdsprachenwortschatz zu erweitern ist dann das Tüpfelchen auf dem i.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ein Praktikum in einem internationalen Unternehmen wie Zalando unglaublich lehrreich sein kann. Die Unternehmenssprache ist plötzlich Englisch, man lernt täglich mindestens zehn neue Kollegen kennen und trotzdem wäre es unmöglich alle Mitarbeiter auch nur einmal zu sehen und wenn man das Glück hat, in ein Unternehmen mit Start-Up-Philosophie zu kommen, sind die PraktikantInnen mit den Chefs per Du. Das ginge auch fast nicht anders. In Berlin sagt man nämlich mindestens 10 x täglich „Na, du?“

Am letzten Tag in Berlin, las ich zufällig ein Zitat: “If your dreams do not scare you, they are not big enough“. Manchmal muss man frech sein, manchmal muss man Herz über Kopf entscheiden lassen, manchmal darf man einfach nicht zu viel nachdenken und stattdessen einfach tun. Weil am Ende sind genau das die Entscheidungen, die uns im Leben weiterbringen.