ESK-Freiwilligendienst

Im Land der tausend Seen

2161 km, vier Länder und 15 Stunden später bin ich in Finnland, auch bekannt unter dem Namen „Land der tausend Seen“, angekommen und kann nun auch endlich meinen ESK-Freiwilligendienst starten. Die letzten 3,5 Stunden meiner Anreise bin ich mit dem Zug durch eine mit Schnee bedeckte, mehr oder weniger unbewohnte Landschaft gedüst. Bei einer Außentemperatur weit unter dem Gefrierpunkt, genauer gesagt bei -20° C, war es für mich nur schwer vorstellbar immer noch in Europa zu sein. Doch dies sollte bei Weitem nicht der kälteste Tag werden, denn Ende Februar wurde auch ich bei -36° C an meine Schmerzgrenzen gebracht. Doch was nimmt man nicht alles in Kauf, um das schöne Naturschauspiel, die Nordlichter oder auch Polarlichter genannt, zu sehen. Der Ort, den ich für mehr als 10 Monate mein Zuhause nennen durfte, nennt sich Lapua und befindet sich westlich in Finnland. Bei einer Fläche doppelt so groß wie Wien und einer Einwohnerdichte von nur 20 Einwohnern/km² war es schon fast eine Besonderheit auf andere Menschen zu treffen (im Vergleich: Altach hat eine Einwohnerdichte von 1200 Einwohnern/km²).

Doch wie bin ich eigentlich zum ESK-Freiwilligendienst gekommen?

Nach meinem Maturaabschluss an der HTL Rankweil im Bereich Tiefbau im Sommer 2017 bin ich durch eine Broschüre vom aha auf diese Möglichkeit gestoßen. Bevor es dann am 05.02.2018 mit meinem Auslandsdienst losging, arbeitete ich noch als Hilfsarbeiter bei einer Firma im Bereich des Brückenbaus.

Während meines ESK-Aufenthaltes durfte ich in vielen verschiedenen Aufgabenbereichen mitwirken. Beim Jugendzentrum, bei welchem ich während des gesamten Auslandsdienstes tätig war, arbeitete ich in einem Jugendklub. Meine Arbeit bestand darin, mich um die Jugendlichen im Alter von 10 bis16 Jahren zu kümmern und sie bei Anregungen oder diversen Plänen und Problemen zu unterstützen. Bei wöchentlichen Besuchen der umliegenden Schulen und Organisationen durfte ich in einer von mir vorbereiteten Schulstunde etwas über mich selbst, mein Heimatland Österreich und meinen persönlichen Erfahrungen berichten. Während des wohl besten Sommers, den die Finnen je erleben durften, arbeitete ich in einem Verkehrsübungsplatz für Kinder. Mit spielerischen Übungen und diversen Hilfsmitteln wie Gokarts (Tretautos), Verkehrsschildern und Bodenmarkierungen, wurden ihnen die Gefahren und Regeln des Straßenverkehrs nähergebracht. Im Sommercamp, das sich über einen Zeitraum von einer Woche erstreckte, fungierte ich als einer von vielen Aufsichtspersonen und Spielkameraden der Kinder. Nach knapp sechs Monaten änderte sich jedoch die Arbeitssituation. Von diesem Zeitpunkt an arbeitete ich neben dem Jugendklub auch noch in dem ortsansässigen Museum. Bei einem sehr spannenden und abwechslungsreichen Aufgabengebiet, wie z. B. dem Betreuen der Social-Media-Plattformen, dem Bearbeiten von Foto- und Videomaterial sowie verschiedenen organisatorischen Aufgaben, war es mir möglich viele neue Fähigkeiten und Erfahrungen zu sammeln.

Doch bei all den verschiedenen arbeitsbezogenen Aufgabenbereichen kam die Freizeit nicht zu kurz! Von einem Fahrradtrip von Lapua an die Westküste Finnlands (81 km) bis hin zu einem Camping-Ausflug mit meinem Vater quer durch ganz Norwegen war alles dabei. Doch von all den Reisen, die ich in diesem Auslandsjahr unternommen habe, war der einwöchige Ausflug an das Nordkap wohl der spannendste und abenteuerlichste. Durch das Stoppen von vorbeifahrenden Fahrzeugen, auch Hitchhiken genannt, arbeiteten wir uns von Lapua über den Norden Finnlands (Lappland) bis zu dem nördlichsten Punkt Europas, dem Nordkap vor. Zu Beginn des Freiwilligendienstes trafen sich alle Freiwilligen, die ein Auslandsjahr in Finnland absolvierten, bei dem sogenannten On-Arrival-Training in Kokkola. Durch dieses Zusammentreffen hatte ich die Möglichkeit gleichgesinnte „Freunde“ aus allen Ländern Europas kennenzulernen. Dies war zugleich auch der Grundstein für viele unterhaltsame und lustige Zeiten mit neugewonnenen Freunden fürs Leben.

Ich kann den ESK-Freiwilligendienst absolut jedem empfehlen!

Wenn ihr noch mehr über meine spannende Zeit und meinen Alltagsablauf in Finnland in Form von Video- und Bildmaterial sehen möchtet, empfehle ich diesem Link zu folgen: Day in the life (Solidarity Corps/EVS) Finland