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Sozialeinsatz in Kapstadt

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Nachdem ich im Sommer 2016 maturierte und den ganzen Lernstress endlich hinter mir hatte, war ich mir sicher zuerst etwas Neues erleben zu wollen und nicht direkt mit einem Studium anzufangen. Schon immer habe ich den Sommer und den Süden den kalten Temperaturen vorgezogen und so zog es mich von November bis  Dezember 2016 nach Südafrika.

Kapstadt ist die schönste Stadt, die ich bisher besuchen durfte. Sie ist so facettenreich, ob man es bevorzugt Berge zu besteigen, im Meer zu schwimmen oder durch die Stadt zu schlendern, hier ist fast alles möglich. Es gibt unzählbar viele ruhige Orte, kleine Dörfer und traumhaft schöne Buchten, an denen die  Zeit wie stehen geblieben scheint. Im Kontrast dazu stehen überlaufene Straßen, Touristenstrände und Shopping Malls. Aber auch Berge wie zum Beispiel der Tafelberg oder der Lions Head, welche als große Attraktion für Touristen gelten. Offenheit und Gastfreundschaft gelten in Südafrika als Selbstverständlichkeit. Für einen Europäer ist es anfangs oft ungewohnt, wie entspannt, hilfsbereit und zufrieden die Menschen wirken. Auch was das Nachtleben und die vielen Clubs in Kapstadt betrifft, könnte man meinen, die Stadt sei teilweise sehr europäisch, teilweise aber auch wieder amerikanisch. Auf jeden Fall ist es ganz anders, als man sich Afrika eigentlich vorstellt.

Meine soziale Arbeit absolvierte ich in einem Township namens Imizamo Yethu. Es gibt mehrere Townships und es ist nicht jedes gleich arm oder „gefährlich“. Der Kontrast zwischen dem Leben in der Stadt und jenem im Township ist riesig. Es sind zwei komplett verschiedene Welten, welche nicht einmal einen Kilometer voneinander entfernt sind. Ich habe am Vormittag in einem Kindergarten ausgeholfen. Ich spielte mit den Kindern und versuchte der Lehrerin einen Teil ihrer Arbeit abzunehmen. Die Nachmittage verbrachte ich in einer Organisation namens IKhaya Le Themba, in welcher ich sechs- bis zwölfjährigen Kindern bei ihren Hausaufgaben half, ihnen Bücher vorlas oder mich einfach mit ihnen unterhalten konnte. Dabei handelte es sich um Kinder, die nach der Schule nicht nach Hause gehen konnten, da ihre Familienverhältnisse sehr schlecht waren. Ich freute mich sehr darüber, diesen Kindern etwas mitgeben zu können und auch ich konnte von ihnen sehr viel Neues erfahren und lernen. Die meisten Kinder, wie auch Erwachsene, sind offen und sprechen sogar gerne über ihre Probleme. Ich denke, man kann sich kaum vorstellen, was diese Menschen täglich erleben: kein regelmäßiges Essen, kein richtiges Bett, keine Medizin und  kaum ein Gesetz, welches eingehalten wird. Für mich war dieses Projekt eine unglaubliche Erfahrung. Ich reiste über die Organisation You2Africa, welche ich absolut empfehlen kann. Alles hat bestens funktioniert. Man holte mich täglich in meiner Unterkunft pünktlich ab, fuhr mich ins Township und brachte mich nach der Arbeit wieder sicher von der Projektarbeit zurück. So konnte ich mich immer sicher fühlen und hatte nie Angst in eine ungute Situation zu geraten. Da mein Arbeitsplatz sich nicht in der sichersten Umgebung befand, musste ich mich nie alleine im Township aufhalten. Und darüber war ich wirklich sehr froh.

 

Fotocredit Headerbild: arno-smit_unsplash