Moment mal

Österreich/Schweiz – Ein Vergleich unserer Alpenländer

Deutschland, Österreich, Schweiz – irgendwo in der Mitte Europas, man spricht Deutsch, alle tragen Dirndl, leben in einer Alphütte und essen Käse. So zumindest stellen sich einige Leute (meist aus anderen Kontinenten) unsere Länder vor, als ein grosses Land, bei dem zwischen dem kleinen Österreich und der kleinen Schweiz, wenn überhaupt, kaum ein Unterschied gemacht wird. Wir, die hier leben, wissen jedoch durchaus, dass Österreich und Schweiz so ganz und gar nicht dasselbe ist …

Ich lebe in der Schweiz, in Diepoldsau, genauer gesagt, also direkt an der Grenze zu Österreich und gehe seit 5 Jahren in Vorarlberg zur Schule. In dieser Zeit habe ich die österreichische Kultur und Mentalität kennengelernt und kann nun unsere beiden Alpenländer ziemlich gut miteinander vergleichen.

Wo sind die wesentlichsten Unterschiede? Was können wir voneinander lernen? Oder sind wir am Ende doch nicht ganz so verschieden?

Beginnen möchte ich mit dem wohl auffälligsten Unterschied, der Sprache. Man geht oder fährt mit dem Velo, ah sorry Radl, oder mit dem Auto über die Grenze und plötzlich wird völlig anders gesprochen. Natürlich können wir uns noch verständigen, aber trotzdem gibt es sehr viele Ausdrücke, die unterschiedlich sind. Das zeigt sich schon bei der Begrüssung: ein Hoi/Heile oder ein Grüezi/Grüssgott und die Herkunft des Gesprächspartners ist geklärt.  flags

Am grössten sind die Unterschiede bei den Wörtern, die die Schweizer aus dem Französischen übernommen haben, wie z.B. Trottoire (=Gehsteig), Portemonnaie (=Geldtasche) oder Glace (=Eis), da haben mich am Anfange einige schief angeguckt, als ich noch diese Wörter verwendet habe.

Manchmal macht auch einfach die Betonung den Unterschied. Ein Lehrer von mir merkte beispielsweise erst nach etwa 2 Jahren, dass ich aus der Schweiz komme, weil ich Büromaterial mit Betonung auf dem ü anstatt auf dem o ausgesprochen habe.

Grosser Unterschied Nummer 2: das Essen. Essen spielt in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle, spätestens seit ich die Tourismusschule in Bludenz besucht habe. Dort habe ich auf einmal Dinge gekocht und gegessen, von denen ich vorher noch nie gehört habe. Hätte man mich vor 5 Jahren gefragt, was ein „Mohr im Hemd“ sei, wäre ich niemals darauf gekommen, dass das ein Dessert ist.

Auch beim Essen in Restaurants gibt es sehr grosse Unterschiede zwischen Österreich und der Schweiz. Verspürt man in Österreich irgendwann am Nachmittag einen Hunger, egal ob einen grossen oder einen kleinen, findet man garantiert irgendwo ein Lokal, das durchgehend geöffnet hat. In der Schweiz hingegen kann man froh sein, wenn man um diese Uhrzeit noch irgendwo ein nur halbwegs angetrocknetes Sandwich findet. Die Restaurants werden nämlich mit schweizerischer Pünktlichkeit genau um 13.30 Uhr geschlossen und erst um Punkt 17.30 wieder aufgesperrt.

In Punkto Gastfreundschaft können sich die Schweizer wirklich noch einiges von Österreich abschauen.

Obwohl die Schweiz und Österreich direkte Nachbarn sind, ist die Mentalität in diesen beiden Ländern, wie ich in den letzten Jahren feststellen durfte, wirklich sehr verschieden.

In Österreich läuft alles ein bisschen gemütlicher ab, die Züge sind nicht immer ganz so pünktlich und beim Mittagessen kann man sich ruhig Zeit lassen, da, wie schon erwähnt, viele Lokale den ganzen Tag geöffnet haben. Den grössten Unterschied habe ich jedoch in der Schule bemerkt. Während wir in der Schweiz jeden Tag seitenweise Hausübungen hatten und oft 2 – 3 Prüfungen an einem Tag, wird in Österreich genauestens darauf geachtet, uns Schüler nicht zu überfordern (definitiv ein Punkt für Österreich ;)).

Was ich jedoch auch feststellte, ist, dass die Österreicher ein Volk der ewigen Diskussionen sind. So wurde auch schon einmal eine ganze Lektion damit verbracht, einen Testtermin festzulegen. Dieser Termin geht nicht, weil da eine beim Zahnarzt ist, dieser geht nicht, weil vom einen die Cousine heiratet und so weiter. Meiner Meinung nach kann man es also auch übertreiben mit dem Rücksichtnehmen, da hat mir dann schon fast ein bisschen die schweizerische Disziplin gefehlt.

Alles in allem wirken für mich die Österreicher ein bisschen gemütlicher, sie verstehen es, zu geniessen und sind sehr gastfreundlich. Die Schweizer sind eher zackiger unterwegs und kommen bei manchen Dingen schneller auf den Punkt.

Ich finde, wenn sich beide vom anderen ein wenig was abgucken, entsteht eine super Mischung. Wir sollten sowieso weniger übereinander schimpfen und dafür lieber einmal den Schritt über die Grenze wagen. Sowohl Österreich, als auch die Schweiz sind wunderschöne Länder mit interessanten Kulturen und tollen Menschen. Es lohnt sich einmal in etwas anderes hinein zu schnuppern und letzten Endes können wir alle davon nur profitieren.