AuslandYouth Reporter

Erasmus Blues

Erasmus-Blues (c) Yvonne Waldner

Auslandssemester fertig – und jetzt?

Der schwerste Teil an einem Erasmus-Aufenthalt ist der Anfang – und das Ende. Die meisten, mich eingeschlossen, treten ihre Heimreise nach einem Auslandssemester mit einem lachenden und einem weinenden Auge an. Hat man sich doch innerhalb dieser kurzen Zeit ein ganz neues Leben aufgebaut und Freundschaften aus aller Welt geschlossen. Dass das Ende eines solch signifikanten Lebensabschnitts so manchen Erasmus-AbsolventInnen nicht kalt lässt, wird bei Recherchen in einer bekannten Suchmaschine sichtbar:


Google-Suche 28.02.2020

Auch in dem einen oder anderen Meme wird diese Gefühlslage dargestellt:


https://activeyouth.lt/erasmus-meme/?lang=en [Aufruf 28.02.2020)

Ist ein Auslandsaufenthalt wirklich die beste Zeit des Lebens oder sehen Erasmus-AbsolventInnen aller nur durch eine rosarote Brille?

Fakt ist: Sobald ein wichtiger Teil unseres Lebens zu Ende geht, schwelgen wir gerne in Nostalgie und verherrlichen rückblickend viel. Das gilt für den Schulabschluss, für unsere letzte Job-Kündigung oder für das Ende einer Beziehung – und eben auch für Erasmus. Sobald man ins Flugzeug steigt, sind die ständig telefonierende Mitbewohnerin, der lästige Papierkram und die anstrengenden Klausuren vergessen. Nur die wenigsten Erasmus-Aufenthalte verlaufen perfekt und ohne jegliche Vorkommnisse. Natürlich ist es gesünder, sich nicht auf die negativen Aspekte zu konzentrieren, und diese besondere Zeit zu genießen. Man sollte sich dennoch nicht selbst belügen und leugnen, dass es Momente gab, in denen man nicht so glücklich war, beispielsweise in Zeiten des Heimwehs.

Hinzu kommt jedoch: Im Ausland zu leben ist eine besondere Erfahrung, die, meiner Ansicht nach, jedeR einmal gemacht haben sollte. Es entstehen eine Vielzahl an neuen Eindrücken, die Selbstständigkeit wird auf die Probe gestellt, neue Freundschaften werden geschlossen und viel Spannung erlebt durch einen neuen Alltag. Im Ausland wurde ich stets als „die Österreicherin“ vorgestellt, was in Spanien geradezu exotisch wirkt. Die Unterhaltungen am Tisch sind eine Mischung aus Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch und noch mehr Sprachen. Action steht auf der Tagesordnung und wenn mal jemand Erholung brauchen sollte, wird auch das akzeptiert.

Kein Wunder also, dass der Einstieg in den alten, normalen Alltag schnöde wirkt dagegen. Man ist nicht mehr im gleichen Maß spannend für andere. Zu Hause wird nur mehr die eigene Sprache gesprochen, weshalb die Niederländer am Nebentisch im Restaurant eine willkommene Abwechslung darstellen. Die Partys werden weniger, die eigene Fremdsprache muss wieder aktiv erlernt werden. Und das eigene hat sich kaum verändert – man selbst gefühlt sehr.

Wenn dann zu Hause der erste Erasmus-Bericht eingereicht werden sollte, muss man sich wieder der Realität stellen, denn sobald dieser Bericht abgeschickt wird, ist die Erasmus-Erfahrung sozusagen zu Ende. Was also tun, damit man vom „Post Erasmus Blues“ verschont bleibt?

  1. Bürokratie so schnell wie es geht erledigen:
    Nach dem Erasmus-Aufenthalt gibt es noch eine kleine Checkliste abzuarbeiten. Dazu gehören den Sprachtest zu absolvieren oder Umfragen auszufüllen. Außerdem wird seitens der Heimatuniversität oft um Erfahrungsberichte gefragt. Diesen Punkt am besten gleich erledigen, denn noch sind sie etwas „schmerzfreier“.
  1. Freunde und Familie
    Klar wollen Freunde und Familie wissen, wie es dir denn im Ausland ergangen ist und sicher bist du begierig darauf, ihnen das mitzuteilen. Erzähle aber nur so viel, wie sie gerne hören möchten. Für einige ist diese fantastische Erfahrung nicht nachvollziehbar. Die ach so tollen Geschichten aus dem Ausland können auf andere nervig wirken. Nutz daher lieber die Gelegenheit, um wieder auf den Status-quo zu kommen und mit deinen Liebsten etwas zu unternehmen.
  1. Nächste Reise planen?
    Nach ein paar Tagen wird man schon wieder vom Reisefieber gepackt und möchte so schnell wie möglich wieder seine Koffer packen und weiterziehen und hey – warum nicht? Viele ErasmusstudentInnen nutzen die Gelegenheit, nach den universitären Pflichten das Land ihres Auslandsaufenthalts zu erkunden. Und auch wenn man schon zu Hause ist: Es spricht doch nichts dagegen, dem nächsten Abenteuer schon entgegenzufiebern.
  1. Pflege
    Mir persönlich hat es geholfen, meine Erlebnisse schriftlich festzuhalten und meine Fotos zu sortieren, um mit allem abzuschließen. Außerdem habe ich schon mit einigen Erasmus-KommilitonInnen neue Pläne geschmiedet, damit diese neugewonnen Freundschaften sich nicht in Luft auflösen.
  1. Find das Schöne in deinem Land
    Leckeres Trinkwasser, Schwarzbrot, Berge, Schnee und Ruhe: Kleinigkeiten wie diese lernte ich im Ausland wieder zu schätzen. Wem es schwer fällt, sich wieder an sein Heimatland anzupassen, sollte sich wieder der schönen Dinge zu Hause bewusst werden.

aha-Tipp

In unserer aha Home Edition – welt weit weg erzählen Jugendliche von ihren Auslandserfahrungen und ihren Erlebnissen bei Weltreisen oder beim ESK-Freiwilligendienst. Alle Termine findest du unter www.aha.or.at/aha-home-edition-wwweg